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Interview mit Susanne Prill zum Impulstag Ehrenamt

Neue Bilder für kirchliche Gemeindearbeit gefragt

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Susanne Prill
13.08.2012 ǀ Rostock/Güstrow.  „lebendig+kräftig. Wir schaffen Gemeindebilder, die Engagement unterstützen“ – unter diesem Motto sind am 15. September haupt- und ehrenamtlich Tätige ab 9.30 Uhr nach Güstrow (Viehhalle, Speicherstraße 11) eingeladen. Im Vorfeld sprachen wir mit Susanne Prill über das Programm des ersten Impulstages Ehrenamt im Kirchenkreis Mecklenburg und ihre Arbeit als Leiterin der vor drei Jahren gegründeten Evangelischen Ehrenamtsakademie.

Frau Prill, wer soll sich eingeladen fühlen beim Impulstag Ehrenamt?
 
Alle, denen das Thema auf den Nägeln brennt, ob sie haupt- oder ehrenamtlich tätig sind. Zum Beispiel, die Pastorin, die ausloten möchte, was in ihrer neuen Kirchengemeinde geht. Das ehrenamtliche Gemeindeglied, das einen Kreis ins Leben rufen möchte oder das ehrenamtliche Engagement insgesamt in seiner Kirche stärken möchte.
Spannend wird sicherlich, sich über den eigenen Tellerrand hinweg an diesem Tag austauschen zu können, was schon gut gelingt und was uns noch beschwert bei der Ehrenamtsförderung. Dazu wird es genügend Zeit und Raum geben.

Welche Impulse erwarten die Tagungsgäste?
 
Ganz unterschiedliche. Ich freue mich, dass Bischof Dr. Andreas von Maltzahn dabei sein wird und mit uns zu Beginn eine Andacht mit Abendmahl feiert. Frau Hadwig Müller von missio Aachen wird anschließend unterhaltsam und informativ berichten, was die Kirchengemeinden in einer ländlichen Gegend Frankreichs als Antwort auf die – ja auch in Mecklenburg - zunehmende Säkularisierung und Kirchenfremdheit unternehmen, welche Haltung und welche Methoden sie dazu entwickelt haben. So enstand in Frankreich eine „Seelsorge des Rufens“, die auf die Menschen zugeht - ganz offen, ohne Vorbehalte oder Erwartungen.

Das klingt interessant. Können Sie dies kurz näher beschreiben?
 
Christen gehen auf Andere zu und sagen: Du interessierst uns, wir glauben, dass du etwas hast, was uns fehlt. Wir brauchen dich mit deiner Begabung. Was hättest du Lust beizutragen? Und durch die Begegnung und den Austausch verändert sich Kirche.
Solche Impulse sollen beim Impulstag helfen, unsere eigenen Bilder von Kirche zu hinterfragen und den Blick für neue Bilder zu öffnen.

Beim Blick ins das Programm wird klar, es soll nicht bei der Theorie bleiben, es geht ebenso um praktische Schritte und praktischen Nutzen?
 
Richtig. Die Teilnehmenden können durch ihre Mitarbeit in Arbeitsgruppen die Ehrenamtsarbeit im Kirchenkreis Mecklenburg mitgestalten. Sie werden Teil eines Netzwerkes zur Förderung des Engagements. Sie können ihre Erfahrungen einbringen, Informationen und praktische Anregungen erhalten, wie eine Checkliste zu Ehrenamtsfreundlichkeit in Kirchengemeinden mit nach Hause nehmen. Und dies alles wird am Impulstag abgerundet durch inspirierende Aktionen von zwei Clowns, anregende Gemeinschaft und gutem Essen.
 
Und das alles haben Sie allein als Ehrenamtsakademie vorbereitet?
 
Nein. Viele unterschiedliche Erfahrungen, die im Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock unter einem Dach zu Hause sind, sind im Vorfeld zusammengeflossen – aus dem Gemeindedienst, der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Erwachsenenbildung und der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Diese Teamarbeit war sehr fruchtbar.
 
Wo und bis wann können sich Interessierte anmelden?
 
Um gut planen zu können, ist eine verbindliche Anmeldung bis möglichst zum 25. August hilfreich. Das Programm und der Anmeldebogen finden sich im Internet unter www.ehrenamt-kirche-mv.de.
 
Kommen wir auf ihre Tätigkeit als Ehrenamtsreferentin im Kirchenkreis zu sprechen. Was wollen Sie generell erreichen?
 
Dass sich immer wieder Menschen angesprochen, ja gerufen fühlen, in der Kirche freiwillig tätig zu sein, sei es auf Dauer oder projektbezogen, für einen bestimmten Lebensabschnitt. Dass die Hochverbundenen sich auch bereichern lassen durch Fremdes, Ungewohntes. Denn: Wenn wir etwas verändern wollen, brauchen wir die anderen.

Es ist ein Unterschied, ob wir die Menschen so ansprechen: Das und das in der Gemeinde ist zu tun. Wir brauchen jemanden, der uns hilft oder ob wir wie in Frankreich praktiziert sagen: Du interessierst uns. Wir wollen Dich kennenlernen. Was hast du beizutragen?
 
Seit drei Jahren leiten Sie zudem die Ehrenamtsakademie. Was schätzen Sie an dieser Tätigkeit?
 
Die große Vielfalt und, dass ich auf sehr reflektierte Menschen treffe, spannende Gespräche führe, Projekte und viele Orte der Lebendigkeit kennengelernt habe – übrigens besonders im ländlichen Raum.

Wo stehen wir beim Thema Ehrenamt und was tut die Ehrenamtsakademie?
 
Rund 12.000 Ehrenamtliche wirken im Kirchenkreis Mecklenburg. Dazu zählen Telefonseelsorgerinnen, Kirchenälteste, Chorsänger, Mitarbeitende in der Suchthilfe und im Hospizdienst, um nur einige zu nennen.

Als Ehrenamtsakademie unterstützen und entwickeln wir gute Bedingungen für das Ehrenamt und beraten Gemeinden. Jährlich erscheint ein umfangreiches Bildungsprogramm. Neu ist jetzt die Möglichkeit, die Teilnahme an unseren Angeboten finanziell zu unterstützen, wenn die Kirchengemeinden ein Drittel der Kosten übernehmen.

Mit Blick auf die Verfassung der Nordkirche wird die Frage übrigens immer deutlicher: Wie bereiten wir Ehrenamtliche für Leitungsfunktionen vor? Dies wollen wir künftig noch stärker bei der Auswahl der Seminare und Fortbildungen berücksichtigen.

Was bedeutet es für das Rollenverständnis der Hauptamtlichen, wenn Ehrenamtliche zunehmend selbstbewusst und gut ausgebildet in Leitungsfunktionen drängen?

Ob es um Kirchenmusik, Migrationsberatung oder Gemeindearbeit geht: In vielen Gesprächen wird deutlich, dass die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Hauptamtlichen ist und dass es Qualifizierungsbedarf auf dem Gebiet gibt.

Erstmalig wurde in der Vikarsausbildung in Ludwigslust von uns das Thema „Ehrenamtsarbeit“ bearbeitet. Innerhalb der Ausbildung der Gemeindepädagogen fand ein Seminar zur Ehrenamtsförderung statt. In beiden Kooperationen wurden Fortbildungsmodule erarbeitet, die fortlaufend weiterentwickelt werden sollen.

In Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Bildungszentrum fand ein Fachtag zur Ehrenamtsförderung für Gemeinden sowie kirchliche und diakonische Einrichtungen statt. Ein interessiertes Publikum diskutierte Fragen der Ehrenamtsförderung, besonders die Themen Leitung, Gewinnung Ehrenamtlicher sowie Geistliche Begleitung. Auch hier wird es eine Neuauflage im kommenden November geben.
 
Wo hapert es noch aus ihrer Sicht?

Bei der Vernetzung und beim Informationsfluss. Es ist ja auch schwer, die gute Arbeit, die man macht, auch noch zu dokumentieren. Die guten Ergebnisse werden  so, finde ich, wenig sichtbar. Und jeder muss bei seinen Bemühungen von vorn anfangen, als Einzelkämpfer.

Das ist das Spannende an der Ehrenamtsakademie. Wenn die sehr unterschiedlichen Einrichtungen von der Arbeitsweise der anderen hören: Telefonseelsorge, Erwachsenenbildung, Frauenwerk, dann entsteht ein Gefühl für übergreifende Themen, nicht individuelle Probleme. Dasselbe erlebe ich im Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock.

Das wichtigste Ziel beim kommenden Impulstag ist deshalb für mich auch, ein Netzwerk zu bilden zum Thema Ehrenamtsförderung, bei dem die Teilnehmenden ihre Erfahrungen austauschen, aufeinander hören, voneinander lernen können.
 
Das Gespräch führte Christian Meyer
Quelle: Pressestelle Kirchenkreis Mecklenburg

 

 

 

"Fonds zur Ehrenamtsförderung" unterstützt Ehrenamt in den Gemeinden

 

Ab sofort können Mittel aus dem Fonds zur Ehrenamtsförderung bei der Ehrenamtsakademie im Zentrum Kirchlicher Dienste abgerufen werden. Mit dem neu aufgelegten Fonds soll der Gedanke der Gemeinschaft der Dienste unter Einbeziehung der ehrenamtlich Mitarbeitenden gestärkt werden. Der Fonds wird Projekte in den Gemeinden und Einrichtungen unterstützen, die der Stärkung und Förderung des Ehrenamtes dienen. Mögliche Beispiele können sein: Der Aufbau einer Eltern-Kind-Gruppe unter ehrenamtlicher Leitung, die Beteiligung von ehrenamtlichen Jugendleitern an der Durchführung des Konfirmandenunterrichtes oder eine Untersuchung zur besseren Beteiligung körperbehinderter Gemeindeglieder an der Gemeindeleitung.

Besonderes Augenmerk bei der Projektauswahl liegt auf der Begleitung und Weiterbildung der ehrenamtlich Engagierten. Gefördert wird auch die Teilnahme an Bildungsangeboten aus dem Programm der Ehrenamtsakademie.

Jedes Gemeindeglied kann einen Antrag stellen, dabei muss der zuständige Kirchgemeinderat oder das jeweilige Leitungsgremium dem Projekt zustimmen. Förderfähig sind Sachkosten wie Arbeitsmaterial, Fahrkosten und Gebühren für Bildungsangebote sowie Aufwandsentschädigungen. Es kann eine Unterstützung von höchstens 66% der Gesamtkosten beantragt werden, maximal 400,00 €. Insgesamt stehen 3.000 € im Jahr für Gemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis zur Verfügung.

Über die Vergabe entscheidet ein Beirat, der sich aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Ehrenamtsakademie zusammensetzt. Die Ehrenamtsreferentin Susanne Prill berät Interessenten zu der neuen Fördermöglichkeit.             

 

ViSdP

Susanne Prill